Ich glaube ich muß mich auch mal dazu äußern - wie man sehen kann, hatte und habe ich massives Übergewicht.
Meine Geschichte ist etwas länger, aber vielleicht bekommt ihr so einen Einblick aus der anderen Sicht.
Also übergewichtig war ich schon immer, von Kindesbeinen an. Mein Mutter (richtig schlank) wollte nur schlanke Kinder, es hat bei keinem zu richtig funktioniert. Meine Geschwister waren oder sind auch noch heute nicht wirklich schlank. In meiner ganzen Familie (Oma, Opa, Tanten, Onkel, usw.) sind überwiegend übergewichtig - somit kannte ich es nicht wirklich anderes.
Meine Mutter hat aber meine Geschwister und mich wegen den Übergewicht ständig von einem Arzt zum anderen geschleppt und meinte, meine Kinder müssen schlank sein. So wirklich funktioniert hat das nicht. Als so 13 oder 14 Jahre altes Kind kam ich, zusammen mit meiner Schwester, auf Kur. Toll, 10 kg in 4 Wochen. Meine Mutter war sehr erfreut. Aber sie hatte auch nichts dazu gelernt. Gekocht hat sie weiterhin wie bisher und somit kam das böse Jojo und aus den -10 kg wurde im laufe der Jahre mehr.
Mein Vater bekam ungefähr zu diesem Zeitpunkt "Wohlstandskrankheiten" (Gicht, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetis), aber ernährungstechnisch hat sich nichts geändert.
Vor ungefähr 10 Jahren bin ich dann von zu Hause ausgezogen und habe im Allgäu für mich ein neues Leben angefangen. Mein Übergewicht hat mich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gestört. Das was ich unternehmen wollte, habe ich auch unternommen. Gut meine Wohnung liegt im 3. Stock und es kam schon mal vor, daß ich ausser Puste war. Aber nicht immer.
Als ich meinen Mann vor 6 Jahren kennengelernt habe, sah ich auch keine Veranlassung mein Gewicht zu ändern. Er liebt mich so wie ich bin.
Als ich dann vor 4 Jahren, den Kontakt zu meiner Familie abgebrochen habe und vor ungefähr 1 1/2 Jahren von meinen jüngeren Bruder erfahren habe, daß es meinen Vater gesundheitlich nicht sehr gut geht, habe ich erst angefangen nach zu denken, wie mein Leben weiter verlaufen soll. Vor einem Jahr habe ich mich dann dazu entschieden, mein Gewicht zu reduzieren und bin nun da, wo ich im moment stehe. Ich wollte auf keinen Fall, daß ich die einzige von 4 Kindern bin, die auch diese Wohlstandskrankheiten bekommt. Dafür war mein Bruch mit der Familie entgültig. Also wozu dann auch die evtl. Krankenheiten der Familie.
Das ich nie die Figur eines Supermodels bekommen, daß ist mir klar. Ein bisschen werde ich mein Gewicht noch reduzieren und dann kommt das wichtigste, daß ganze auch zu halten und ich glaube, daß das die schwierigste Aufgabe wird.
Aber ich muß sagen, ich fühlte mich mit meinen fast 140 kg nie eingeschränkt. Außer vielleicht beim Klamotten kaufen. Dafür ist mein Mann schon am schimpfen, denn ihm persönlich fehlt die Oberweite (die ist um 30 cm geschrumpft).
Bisher habe ich meinen Schritt nicht bereut, schliesslich weiß ich ja nicht, wie es mir 10 Jahren gesundheitlich geht und ich bin noch zu jung, um von irgendwelchen Medikamenten abhängig zu sein.
Somit ist es nicht immer so, daß "Dicke" schämen, daß sie dick sind. Es kommt immer darauf an, wie das ganze Umfeld ist und wie man auch an das Übergewicht gekommen ist.
Das geschriebene ist, aber nur meine Geschichte. Es gibt sicherlich viele, bei denen es ganz anders ist oder war.